IMPRESSION
DEN MOMENT EINFANGEN
CONTEMPORARY
10–18 mm F2.8 DC DN
von Johannes Hulsch
Wenn es eine unschätzbare Lektion gibt, die ich aus meinen jahrelangen Reisen als Fotograf gelernt habe, dann diese: Das richtige Timing ist oft wichtiger als die Ausrüstung. In meinen Anfängen als Fotograf hatte ich eine Vorliebe für häufige Ausrüstungsupgrades – Objektive, Filter, Stative – in der irrigen Annahme, dass diese meinen Stil und mein Wissen voranbringen würden. Leider habe ich oft wertvolle Momente damit verschwendet, mich auf die perfekte Aufnahme vorzubereiten, nur um dann zu sehen, wie sie mir entglitt. Daher beschloss ich, mich dem Minimalismus zu verschreiben und täglich nur die notwendigste, leichte Ausrüstung mitzunehmen. Das fördert nicht nur die Beziehungen zu Einheimischen, die sich in der Gegenwart einer weniger imposanten Kamera wohler fühlen, sondern ermöglicht es mir auch, mit Fremden ins Gespräch zu kommen und ihre unerzählten Geschichten in meine fotografische Erzählung einzuflechten. Meine Mission ist es, ihnen eine Stimme zu geben, einen Einblick in eine Welt, die sie vielleicht nicht so ausführlich erkundet haben wie ich. Das war der Auslöser für mein Engagement in der Reisefotografie. Ich sehnte mich immer noch nach aussergewöhnlicher Bildqualität und einer möglichst grossen Blendenöffnung, was mich zunächst zu der Überzeugung führte, dass feste Festbrennweitenobjektive der einzige Weg seien. Die Antwort auf diese kreative Sackgasse lag jedoch darin, zu testen und auf die technologische Entwicklung zu warten.
* Die Bilder ohne Fotodaten wurden mit anderen Objektiven als dem SIGMA 10–18mm F2.8 DC DN | Contemporary aufgenommen.
Der bedeutendste Schritt auf meiner persönlichen Reise war der Wechsel von einer DSLR zu einem spiegellosen System. Durch diesen Wechsel wurde der Brennweitenabstand zwischen den Objektiven und dem Sensor erheblich verringert, wodurch sowohl die Grösse als auch das Gewicht der Objektive reduziert wurden. Auf Reisen war es mein Ziel, alle wichtigen Ausrüstungsgegenstände in einer einzigen Kameratasche unterzubringen, um die Sicherheitskontrollen und die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel zu vereinfachen. Daher weckte das neue SIGMA 10–18mm F2.8 DC DN | Contemporary auf meiner letzten Reise in die Niederlande mein Interesse. Seine kompakte Form und sein federleichtes Design machten es zu einem idealen Begleiter für den Alltag.
Während meines Aufenthalts in den Niederlanden stellte ich mich zwei ganz unterschiedlichen Herausforderungen. Zunächst erkundete ich das Dollard, ein unberührtes Naturschutzgebiet am Wattenmeer nahe der deutschen Grenze. Von einer Hütte am Ende eines Holzpfades, der durch die Sümpfe führte, wurde ich Zeuge des beeindruckenden Spektakels, als Hunderte von Vögeln aus ihrem Schlummer erwachten und über die Felder hinwegflogen. Die Tierfotografie mit einem Weitwinkel-Objektiv ist oft mit Herausforderungen verbunden, weshalb ich meinen Fokus auf die Landschaft verlagerte. Ich versuchte, die Vögel eher als auffällige Elemente denn als zentrale Motive einzubeziehen. Als ich mich für eine niedrigere Perspektive näher an den Boden duckte, erwies sich die bemerkenswerte Naheinstellgrenze des Objektivs von 11,6 cm als unschätzbar wertvoll. Diese Funktion ermöglichte faszinierende Nahaufnahmen von Texturen und kleinen Lebewesen, während die Weitwinkel-Ästhetik erhalten blieb.
Die zweite Herausforderung bestand darin, einen zuvor besuchten Ort unter anderen Lichtverhältnissen zu fotografieren. Meine Wahl fiel auf den Leuchtturm von Marken, 30 Minuten von Amsterdam entfernt. Bei meinem letzten Besuch hatte ich die Einsamkeit während eines Sommer-Sonnenaufgangs genossen. Dieses Mal wollte ich den Leuchtturm in den warmen Farben des Sonnenuntergangs fotografieren. Glücklicherweise war der Ort weniger überlaufen als erwartet. Die Reise umfasste eine 4 km lange Rundwanderung, und schon aus der Ferne bemerkte ich ein Segelboot, das in der Nähe des Leuchtturms vor Anker lag – eine unerwartete Ergänzung der Komposition. Diese Unvorhersehbarkeit war eine wiederkehrende Lektion auf meiner fotografischen Reise: Nicht alles lässt sich akribisch planen. Ich nahm die neue Komposition an, in der das Boot und der Leuchtturm harmonisch im Bildausschnitt koexistierten. Diese neue Perspektive veranlasste mich, verschiedene Blickwinkel auszuprobieren, um mich an das sich verändernde Licht anzupassen. Der Sonnenaufgang warf Seitenlicht, was eine sorgfältige Steuerung von Linsenreflexionen und Belichtung erforderte. Umgekehrt führte der Sonnenuntergang zu Gegenlichtbedingungen, sodass ich darauf achten musste, dass mein Schatten nicht in den Bildausschnitt fiel. Mit dem kleineren, leichteren Objektiv SIGMA 10–18mm F2.8 DC DN | Contemporary genoss ich die Flexibilität, näher an den Boden heranzukommen und meine gewünschte Perspektive einzufangen. Nach Sonnenuntergang entschied ich mich, noch zu bleiben, um die Beleuchtung des Leuchtturms während der blauen Stunde zu erwarten – eine meiner Lieblingszeiten. Sie verleiht Szenen eine mystische Atmosphäre, vorausgesetzt, ein ausreichend helles Motiv prägt das Bild. Als das Licht schwächer wurde, schätzte ich die Weitwinkel-Blende des Objektivs umso mehr, da sie Aufnahmen ohne Stativ ermöglichte.
Meine fotografische Reise hat sich im Laufe der Jahre zweifellos weiterentwickelt, eine natürliche Entwicklung, die jedem kreativen Schaffen innewohnt. Wenn man sich tiefer in sein Handwerk vertieft, entwickelt man unweigerlich einen eigenen Stil, ein fortlaufender, vielleicht nie endender Prozess. Ich geniesse den interdisziplinären Austausch mit Kreativen aus verschiedenen Bereichen, da sie mir neue Perspektiven auf Themen eröffnen, mit denen ich mich intensiv beschäftigt habe. Gemeinsam stärken wir uns gegenseitig und beweisen, dass Einheit die Stärke vervielfacht, ein Prinzip, das über individuelle Bestrebungen hinausgeht.
ÜBER
JOHANNES HULSCH
Fotograf
Autodidaktischer Fotograf und Content Creator aus der Nähe von Dresden. Seit 2016 fotografiere ich mit SIGMA-Objektiven.
VERWENDETE AUSRÜSTUNG